Samstag, 14.3.09, Huaixai, Laos PDR
Mein erster Eindruck von Laos nach 6 Stunden ist ganz gut.

Die
Herren der Einreise hatten zwar viel Zeit, waren dabei aber nicht
unfreundlich.

Wir
sind hier in einer kommunistischen Volksrepublik.

In
der Grenzstadt herrscht friedliche Ruhe, alles sieht ganz ordentlich
aus, alte und neue Häuser in gutem Zustand, als erstes sehe ich
4 Menschen, die Boule spielen, ein Erbe Frankreichs?
Kinder spielen am Straßenrand und sind offener, neugieriger und kontaktfreudiger als in Thailand. Die Autos fahren wieder auf der richtigen Seite: Rechtsverkehr.
Also Geld gezogen, gibt leider ein ziemliches Limit an dem einzigen Geldautomaten: 700 000 Kip, das entspricht ca. 70 Euro.
Keiner -naja fast - keiner spricht Englisch. Einer, der meine Frage verneint, wird von einem anderen Menschen in Englisch angesprochen und antwortet fließend. Merkwürdig.
Ich kaufe eine neue Sim-Karte, auf der merkwürdige Sachen bzgl. SMS und Overseas Calls stehen und keiner kann mir sagen, was es damit auf sich hat. Die erste Test-SMS kommt anscheinend auch nicht an, ein erster Telefonanruf nach D geht ins Leere: landet auf dem AB, dauert 6 sec und kostet 20 000 Kip (=2€).
Die Menschen sehen etwas anders aus als in Thailand, die Frauen oft hübscher.
Da morgen eine Marathon-Strecke ansteht suche ich schon mal die richtige Straße und checke, wie die Beschilderung so aussieht.
Die haben hier wieder eine neue Schrift, ach wäre das doch anders, eine einheitliche Schrift würde das Reisen schon um einiges vereinfachen.
So fahre ich also auf der vermuteten richtigen Strecke, richtig, es tauchen Entfernungsangaben in meine Richtung auf, ich fahre aber weiter, nur noch um die nächste Ecke gucken, und noch mal gucken, die Stadt hört gar nicht auf, immer wieder interessante Einblicke, plötzlich, am dann doch Ortsende taucht noch ein gut aussehendes Guesthouse auf. Rein, gecheckt, gebucht, gut. Morgen 6km weniger.
Es gibt genau so Suppenküchen, die Menschen sind aber noch etwas freundlicher mit ihren Hinweisen und ihrem Lächeln.
Ich fahre zurück in den Ort, ein junger Mann spricht mich an, er möchte ein wenig in Englisch mit mir reden. Unerwartet. Er lernt gerade. Wir plaudern eine Weile.
Die Preise sind liegen etwas höher als in Thailand. Laut Statistik ist Laos viel ärmer als Thailand – bisher sehe ich noch nichts davon.
Sonntag, 15.3.09 Huaixai - Viengphuka 118 km, 8:25h, hoch=3h,
Es ist schwer, über diesen Tag zu berichten. So viele Eindrücke, solche Strapazen.

Nach
kurzem Weg geht es in die Berge, nach einiger Zeit kommen auch
Passstraßen, die langes Fahren im 1. Gang bei fast
Schrittgeschwindigkeit erfordern.
Es gibt viele Dörfer an der Straße, viele scheinen noch nicht allzu alt zu sein. Die Dörfer haben keinen Strom, (auf 30 km wird die Stromleitung gerade gelegt) die Häuser bestehen aus Holz oder Bambus, stehen meistens auf Pfählen

und
die Wege bzw. Flächen zwischen den Häusern bestehen aus
Lehm. Überall rennen Tiere herum, Hühner, Schweine, Ziegen,
Hunde, auch mal ein Truthahn. Dazwischen unglaublich viele Kinder,

die
– wenn sie mich sehen – unter lautem Geschrei zur Straße
rennen und mir zuwinken. Untereinander rufen sie sich zu „Falang,
Falang“, das heißt ein Fremder, eine Langnase ist zu sehen,
dann rufen sie „Sabaidii“ - Guten Tag – und freuen sich, wenn
man sie ab klatscht. Am Straßenrand wird eine Sorte Gräser
getrocknet, Männer und Frauen mit schweren Lasten kommen vorbei,
auf kleinen, offenen Holzfeuern wird gekocht und manchmal sind in
Hütten einige wenige Waren aufgebaut – ein Laden. Wo auf
offenen Feuern gekocht wird, muss das Land doch arm sein.
Die Fahrt geht durch schroffe Täler, gelegentlich tauchen Reisfelder auf, zwischen hohen Bergen vorbei, manchmal über die Berge drüber. Die Sicht ist immer noch schlecht, die Luft ist trübe. Die Straße ist recht neu, die Bauarbeiter müssen riesige Mengen Erde bewegt haben, um die Straße so anzulegen, oft sind weite Teile der Berge abgetragen, sieht aus wie riesige Wunden.

Es
ist der reine Urwald zu beiden Seiten der Straße, riesige
Bäume,

Bananen,
Lianen, ... alles. Vogelgeschrei ist zu hören, unterbrochen von
den gelegentlichen Autos.
Leider kommen im weiteren Verlauf recht viele Baustellen, dann sind relevante Strecken auf Schotter zu überwinden. Außerdem kommen große Lastwagen vorbei, die auf diesen Strecken elend viel gelben Staub aufwirbeln.

Immer
wieder Branddrodung.

Es
wird Abend.

Aufgrund
der vielen Steigungen erreiche ich nur eine geringe
Durchschnittsgeschwindigkeit und benötige geschlagenen 8,5
Stunden im Sattel, 10 Stunden von Haus zu Haus, bis ich in ViengPhuka
ankomme, wo ich zum ersten Mal an diesem Tage die Schilder
„Guesthouse“ sehe. Hier wird sich im Fluss gewaschen.

Eingecheckt,
Dusche gesucht. Nicht gefunden, trotz der Worte des Wirts: die Dusche
besteht aus einem Kübel mit Wasser und einer großen
Schüssel, um sich das Wasser über den Kopf zu schütten.
Nach dem ersten Kälteschock geht das ganz gut, es gibt auch was
zu Essen, es gibt ein Bier und - es gibt Unterhaltung: 3 weitere
Reisende haben sich auch heute hier eingecheckt und wollen auch etwas
essen. Es ist kalt, ich brauche einen Pullover.
Sie laden mich ein, morgen mit auf eine ein-eintägige Trekking-Tour zu kommen. Ich bin zu müde, um etwas zu entscheiden, morgen morgen, gehe ins Bett, unter das Moskitonetz und falle sofort in tiefen Schlaf.
Montag, 16.3.09, Viengh Phuka
Ich fühle mich fit, also bin ich dabei. Trekking, Jungle-eco-trekking im Nam Ha NPA. Ein Mann im Ort organisiert diese Touren und begleitet sie auch. Es geht im Minibus 20 km weit, dann – in einem kleinen Dorf an der Straße – kommt ein weiterer lokaler Guide dazu und los geht's. Essen und trinken ist dabei, auf schmalen Pfaden geht es in die Berge, über Bäche, durch Bambus, Bananen und und andere Wälder,

vorbei
an Felder, gerodeten Stellen, verlassenen Dörfern, einzelnen
Hütten. Mehrere Berge werden überquert, Mr. Boun, der Guide

plaudert
fröhlich drauf los, über Vögel, Bäume, die
verschiedenen Stämme und Laos im Allgemeinen. Irgendwann
erreichen wir ein Dorf, lehmiger Boden, Tiere,

einige
staunende Bewohner – nur wenige, die meisten sind auf den Feldern
und Musik vom Kassettenrecorder: hier haben sie einige Solarzellen,
die Strom liefern.

Im Haus des Dorfchefs nehmen wir den mitgebrachten Lunch zu uns. Wieder ist es schwierig, diese angespannte Atmosphäre zu überwinden – was machen die fremden Menschen hier?
Gerade 100 m weiter ist ein 2. Dorf, andere Volksgruppe, andere Bauweise, eine Dorfschule, viel Lehm und Tiere,


wir
durchqueren das Dorf und gehen auf der anderen Seite auf einer
Lehmstraße zurück. 10 km. Der Bus bringt uns zu einer
Höhle, ein Generator für's Licht wird angeschaltet,
sehr
schön, sehr lang, sehr dunkel trotzdem.

Wir
vier, Karen aus USA, Dean und Lynn aus GB und ich setzen die
angefangenen Gespräche im Dorf bei einem Bier und schließlich
bei einem Abendessen fort. Morgen trennen sich die Wege wieder, alle
wollen in unterschiedliche Richtungen weiter.
Ich versuche, die Batterien meines Fotoapparates aufzuladen, aber leider bin ich zu spät, es ist viertel vor neun, um neun wird der Strom wieder abgeschaltet, es gibt nur von 19 bis 21 Uhr Strom.
So ein Event-tourismus ist mal ganz nett, ich könnte es aber nicht lange betreiben, ich will Reisen um Unterwegs zu sein. Immer hin weiß ich jetzt, dass Trekking eine Form des Spazierengehens ist.
Dienstag, 17.3.09, Viengphuka – Luang Namtha, 80 km, 4:46h, hoch=1h

Eigentlich
ist der nächste Ort nur 60 km entfernt, also fahre ich spät
los und trödele so vor mich hin. Karen im Bus überholt mich
und winkt zum Abschied, eine Ziegelei liegt am Straßenrand, es
werden mehr Reisfelder, wenig Verkehr, diesige Luft, einige Berge,
ohne große Unterbrechung radele ich 60 km. Dann zeigt ein
Schild nach schräg hinten und ist mit meinem Zielort
beschriftet. Verdammt, wie kann das sein? Zu weit gefahren? Abzweig
übersehen? Eigentlich ist gar kein Abzweig erforderlich, laut
Karte liegt die Stadt an der Straße. Nach weiteren 9 km bin ich
da und schaue mir lokale Karten an. Meine Karte ist schlicht falsch
an dieser Stelle.
Kleine Stadtrundfahrt, zahlreiche Guesthouses, eines ausgewählt, bisschen gucken, bisschen schreiben – es gibt Internetcafes – Abendbrot, lesen. Ich werde wohl einen Tag hier bleiben.