Donnerstag, 5.2.09 – Sonntag, 8.2.09
Ja, jetzt jin jch jier jn Ko Mak gelandet und komme nur noch träge in Bewegung.
Ich hab 'ne Hütte in Strandnähe gemietet. Ich bade, ich lese, ich schreibe und schaue mir von da aus das Leben an: die Touristen, die Thai's, die Hunde, die Gezeiten. Zwischendurch gibt es einige Dinge zu erledigen, das füllt dann den Tag auch aus.
Z. B.das leidige Problem mit dem Flicken eines Schlauches. Ich bin kurz vor dem Verzweifeln, das habe ich noch nie so erlebt. Wie lange flicke ich jetzt Schläuche? Und dies Jahr wollen die Flicken einfach nicht halten. Wie soll das enden? Ich versuche immer wieder aufs Neue – mit veränderten Methoden – die Luft in dem Reifen zu behalten. Morgen werde ich sehen, ob der jüngste Versuch tauglich war.
Oder das Reservieren eines Zimmers für Ulla, Moritz und Jens-Uwe, die gerade auf dem Weg hierher sind. Das war nicht so schwer. Morgen werde ich wieder auf's Festland fahren, um die drei in Trat in Empfang zunehmen. Wie schön!!
Dazwischen gibt's die einfachen Dinge: Essen, trinken, waschen, elektronische Kommunikation.
Das Klima ist nicht einfach zu nehmen, sehr warm, sehr feucht, am nervigsten finde ich es, wenn man kurz vor dem Schwitzen steht aber der Schweiß nicht so richtig ausbricht.
Morgens ist's zZt wolkig, man denkt es gibt gleich Regen, aber gegen Mittag lösen sich die Wolken auf und der Himmel strahlt in blau.
Ich laufe den ganzen Tag im T-Shirt rum ohne zu frieren.
Inzwischen bin ich auch dazu gekommen, mit dem Rad die Insel zu erkunden. Die Insel hat grob gesagt die Form eines Kleeblatts und ist insg. 10 km lang. Einige Wege sind durch Betonplatten sehr eben und stabil, andere sind unbefestigt, es hat roten Erdboden, der sehr „hubbelig“ ist. Die Wege führen zu verschiedenen „Resorts“

oder
zu kleine Dörfern, in denen die Thai's wohnen.

Außer
Tourismus gibt es hier noch eine rege Landwirtschaft, man pflanzt und
erntet Kautschuk-Bäume. Bisher gibt es nur relativ eingepasste
Resorts, das sind alles Anlagen, in denen kleine Hütten stehen,
die man mieten kann, mehr oder weniger schön, mehr oder weniger
eng beieinander, mal aus Holz, mal schlicht verputzte
Leichtbetonsteine. Aber inzwischen beginnt der Bauboom, eine erste
Hotelanlage (3-stöckig) entsteht, es werde neue Resorts,
schicker und teurer gebaut.

Ich
habe sehr einsame Resorts gefunden, die wie Inseln im dauergrünen
Wald existieren, teilweise mit einem Sandstrand davor, an dem es aber
schwer ist ins Wasser zu gehen, weil es sehr lang sehr flach ist und
unter Wasser Felsen lauern, eine fast als Dorf zu bezeichnende
Ansammlung von Resorts und Restaurants und auch ewig lange
wunderschöne Sandstrände.

Die
Strände sind hier ganz anders als die vollen europäischen
Stränden, am Hauptstrand liegt vielleicht alle 100 Meter (!)
einer im Liegestuhl oder im Sand, aber mehr nicht, aus der Ferne
sieht das menschenleer aus, an ruhigeren Stränden liegen
vielleicht auf 1 km zwei oder drei Menschen rum.

Dazwischen
viel Wald, mal gerodete Stücke, mal angepflanzte Plantagen,

mal
so eine Art Urwald und immer wieder einzelne Häuser, in denen
Thai's wohnen. Die zeichnen sich dadurch aus, dass sie ziemlich
ärmlich aussehen und dass der Müll im weiten Umkreis
einfach liegen bleibt. Mal findet man eine Verbindung zu anderen
Wegen, mal landet man in Sackgassen – trotz Karte.

Was
mich wundert sind die Gezeiten: wenn mich meine Wahrnehmung nicht
täuscht, gibt es zZt. morgens um 8 Uhr eine Flut und das war's.
Abends um 6 Uhr jedenfalls ist definitiv Ebbe – Niedrigwasser! Das
passt überhaupt nicht mit meinem erlernten Wissen über
Gezeiten zusammen, ich weiß, aber so ist es.

Hier
auf der Insel kommt man hinreichend mit Englisch klar, obwohl
eigentlich die meisten Gäste Deutsch sprechen, ob sie nun
Deutsche, Österreicher oder Schweizer sind.
Immer wieder höre ich von Europäern die Theorie, dass die Thai's zwar nett aber überhaupt nicht intelligent wären. Ich scheue mich ein bisschen, dies ungeprüft wiederzugeben, ich geb's nur als „gehört“ wieder und nehme mir vor, es weiter zu beobachten.
Manchmal verspüre ich Lust auf eine Konversation, häufig bleibe ich für mich alleine.
Ich habe viel gelesen, H. Timmerberg, S. Tesich und über die Poincare'sche Vermutung. Diese beschäftigt Mathematiker seit über 100 Jahren und erst jüngst ist es dem Russen G. Perelman (wohnhaft in St. Petersburg) gelungen, diese Vermutung zu beweisen. Neben ihrer innermathematischen Bedeutung spielt diese Vermutung eine Rolle bei der Fragenach der Gestalt des Universums, das eventuell eine 3-dimensionale Sphäre im 4-dimensionalen Raum darstellt (wie soll man sich denn nun das vorstellen?) wie die Erdoberfläche eine 2-dimensionale Späre im 3-dimensionalen Raum ist. Auch ohne die mathematische Beweisführung im Einzelnen zu verstehen war das Buch sehr interessant. Nebenan in „meinem“ Resort wohnen zZt 3 Russen aus St. Petersburg, die Perelman kannten und auf Befragen meinten, der Mann sei inzwischen ernsthaft durchgeknallt.
Abends nerven die Mücken, Spray hilft.
Erstaunlich sind auch die Strandhunde, eine sehr friedfertige Rasse, die sich zumindest in der Saison gut von den Brosamen der TouristInnen ernähren, zwar schon mal kläffen, aber ansonsten sehr nett und friedlich sind und erstaunlicherweise auch gerne im Sand buddeln wie kleine Kinder oder baden gehen.