Mittwoch, 1.4.09, Vieng Xai – Nameo(Vietnam), 61 km, hoch=0,5h,
Frühstück mit 2 Frauen aus D und Canada. Die eine beschwerte sich leise, dass Männer immer zuerst bedient werden, die andere war auch mit dem Rad unterwegs aber etwas kurz angebunden und nicht am Austausch von Neuigkeiten und Erfahrungen interessiert. Also ab zur Grenze. Nach Vietnam.

Der
Weg war noch mal schön, ein letzter Blick auf Laos: grün-braun
sind die vorherrschenden Farben.
Auf halben Weg halte ich an und werde auf einen Schnaps „LaoLao“ eingeladen.

Der
brennt. Ich belasse es bei einem Glas.
Gut, dass ich noch laotisches Geld habe,zwei Gesundheitsuntersuchungen an der Grenze kosten Geld: SARS; Vogelgrippe, beide Seiten haben da Sorgen.
Kaum an der Grenze, mal wieder 'n Platten: Das Loch ist nicht zu finden. Na gut, pumpen! Gut, dass 500 m hinter der Grenze ein Ort, mein Tagesziel liegt: NaMeo. Da ist der Reifen erneut platt, flicken ist angesagt.
Das Hotel ist ok, der Wirt ist lustig und tendenziell übergriffig, zu Feierabend spielen sie dort im Hof Badminton, ich werde eingeladen, mitzuspielen, hmm, macht Spaß, die spielen schon richtig gut.
Hier versteht fast niemand Englisch, ich kann zwar eine neue SIM-Card erwerben, aber niemand kann verstehen, dass ich noch Guthaben für das Telefon brauche und kaufen will.
Das heutige Essen ist keine kulinarische Freude, überhaupt sind Gaststätten schwer zu erkennen, ich brauche neue Suchmuster.
Donnerstag, 2.4.09 Nameo – BaThuoc, 93 km, 6:25h, hoch=2h
Morgens ist der Reifen wieder platt (Feen, Elfen, Geisterhände?), erneut flicken. Dann geht es los.
Meine ersten Eindrücke von
Vietnam:
Man grüßt hier mit „Hello“, das ist
profaner als „Sabaidii“ und dies strahlende Lächen ist auch
nicht mehr da, dafür hört man ein anderes Lachen mit
gelengliche leicht hämischem Unterton.
Die Menschen sind energischer, zerren auch schon mal an den Kleidern, wenn sie was wollen.
Im Unterschied zu Laos gibt es viele gemauerte Häuser, viel mehr Fliegen, genau so viel Dreck.
Zum ersten Mal seit langem sehe ich Dachziegel! Und: In einer Tischlerei wird viel filigraner als auf der laotischen Seite gearbeitet, ich sehe verschiedene(!) Hobel in Benutzung.
In den Küchen wird Gas verwendet – nicht mehr gesammeltes Holz.
Zwar finden sich hier leicht abgewandelte lateinische Buchstaben, aber helfen tut das auch nicht. Die Worte haben keine Ähnlichkedit mit irgendeiner mir bekannten Sprache, auch der kleine Sprachführer in meinem Reiseführer nennt andere Worte: zb wird für Hotel bisher nur Nha Nghi benutzt.
Viele Terassen mit Reisfeldern sind plötzlich leuchtend grün – hmm? Mehr Wasser? Mehr Energie/Fleiß? Mehr Nachfrage?

Einer
der mich am Ärmel für einen kleinen Plausch festhält
ist der Forstbeamte:

Mein
Fahrrad erscheint ihm zu groß.

Die
Regenzeit hat wirklich angefangen, es regnet jetzt jeden Tag, mal
mehr, mal weniger.
Der Verkehr in diesem Land ist gewöhnungsbedürftig: Auf einmal ist richtig viel auf den Straßen los und alle müssen ständig hupen! Echt laut! Am meisten nervt es, wenn ein Bus oder ein LKW direkt – einen Meter – neben meinem Ohr sein „Nebelhorn“ anwirft und mir dann freundlich zu winkt. Die Busfahrer meinen, dass die Straße ihnen gehört, mehrmals schneiden mir entgegenkommende Busse heftig in einer Kurve den Weg, dass ich ausweichen muss.
Am Abend bringt mich der Hotelwirtssohn mit dem Roller zu einem dreckigen Restaurant, dort sitzen 3 Männer und winken mich heran um mich ein wenig zu verarschen, ich mache auch ein paar Späße, sie bieten mir an, ein wenig zu rauchen, ein Gerät, dass ich als „Kawumm“ bezeichnen würde, ist es aber nicht, unten ist Tee drin, ist also eine Art Wasserpfeife, gibt's hier oft. Das Essen ist dann wider Erwarten lecker. 1 Mücke erwischt mich.
Freitag, 3.4.09, BaThuoc MaiChau, 114km gefahren (Distanz= 66km), hoch=0
Fahre ich so dahin,

folge
dem Verlauf der Hauptstraße, das sollte ich nach meiner Karte,
merke plötzlich, dass irgendwas nicht stimmt: frage ich die
Leute, sagen die mir, wo ich bin; es zeigt sich, dass ich 24km zurück
muss. Verdammte Sch... . Ich hätte es merken könne, ein
paar Zeichen hab ich nicht beachtet: Die km – Steine hatten eine
neue Nummerierung, die Straße verlief nach Karte auf der
falschen Flussseite. Ich hatte kein Vertrauen zur Karte, die
Ortsnamen stimmen sowieso meistens nicht. Aber das stimmte dann doch.
Und die km – Steine haben eh alle merkwürdige Zielangaben
gehabt, die ich auf meiner Karte nicht gefunden habe, also hatte ich
gedacht: egal, nicht beachten. So wurde aus 66km eine 114 km Etappe.
Und ich hatte am Vormittag getrödelt, ... , war ja egal, ... .
Also im neuen Land: beim Navigieren öfter fragen, alle Zeichen
genauer beachten.
Ich kam denn in der Dämmerung in MaiChau an, habe das zweitbeste Hotel genommen, geduscht, gegessen, da war der Tag auch schon rum.
Samstag, 4.4.09, MaiChau – Hoa Binh, 77km, hoch=2h,
Dies MaiChau hat eine idyllische Lage,

am
Ende eines langen, flachen Tales mit grünen Reisterassen, am
Fuss steiler, hoher Berge, wenn das bessere Hotel noch 'n Zimmer frei
gehabt hätte, wäre ich noch 'n Tag geblieben. Hatte
Sehnsucht nach westlichem Komfort. Hatte es aber nicht, so habe ich
mich wieder auf den Weg gemacht. Da ich über die flache Seite
ins Tal gekommen war, muss ich über die Berge raus. 1,5 h
kraxeln. Es ging lange den steilen Berg schräg am Hang hinauf,
man hatte die Straße in ganzer Schönheit von unten sehen
können.

[Die
andere Seite des Berges] Zum Glück war's das erstmal mit den
hohen Bergen, was noch nachkam war moderat, nie länger als ne
halbe Stunde bergauf.
Außer „hello“ werde ich jetzt mit „money, money“ angesprochen, ich glaube nicht, dass sie mir ihre neue Philosophie erklären, sondern dass sie Geld von mir haben wollen.
Am frühen Nachmittag also Einflug in eine mittelgroße Stadt: Hoa Binh. Zu einem guten Hotel durchgefragt, zum ersten Mal einen Bierausschank gefunden, wo sie ein leckeres Bier aus einem 1000 Liter Fass für kleines Geld verkaufen.
Ein kleiner Stadtrundgang macht auf einmal Lust auf dies Land: vielfältigstes Treiben, viel Leben, auch Leiden: man wird ja wohl auch mal ein lebendes Schwein auf dem Rücksitz eines Mopeds transportieren können – nur an den Pfoten zusammen gebunden, man verkauft gebratene Tiere, in einem Glaskasten sieht ein Kopf aus wie von einem Hund, dazwischen Nähereien, hinter Verkaufsständen offene Türen, man sieht in der Dämmerung in den Wohn-/Schlafraum der Leute, darin evtl auch noch das Moped geparkt, alles ein bißchen enger und improvisierter. In den engen Gassen laufen die Väter mit ihren Babys rum, fahren die Mopeds, sitzen die Leute auf kleinen Plastikhockern, versuchen Verkäuferinnen, die Obst und Gemüse in 2 großen Körben über der Schulter balancieren, ihre Ware loszuwerden. Schön und häßlich zugleich: Abgase, offen liegende Fleischwaren, schlafende Menschen neben lauten Mopeds und heftigen Hupen.
Sonntag, 5.4.09, Hoa Binh – Hanoi, 81 km, hoch=0,
Gute Hotel schützt nicht vor schlechtem Frühstück – wer hätte das gedacht! Auf nach Hanoi.

Den
ersten Regen in einer Wirtschaft abgewettert, beim 2. Guss die
Vororte von Hanoi erreicht und weitergefahren. So ist mein erster
Eindruck von dieser Stadt also feucht. Am Rande der Altstadt in einem
gut gestalteten Cafe (Black & White) warte ich auf das Ende des
Regens und lese, was ich an Informationen über die
Unterkunftsfrage in Hanoi so habe. Vor mir platscht der Regen in
großen Tropfen auf den West-See. Dann geht Hanoi richtig los!“:
Es ist trocken geworden, ich bin weitgehend dreckig von den
Schlammspritzern der Straße, auf Hotelsuche. Die Altstadt
beeindruckt mich mehr als alles andere vorher. Pralles Leben, breite
Straßen, enge Gassen,

Bäume,
Konditoreien, Suppenküchen, Cafes, jede Menge Reklameschilder,
die Häuser 3 bis 5 Stockwerke hoch, kleine Handwerksbetriebe,
vielfältige Läden,
dazwischen Menschen: sitzend, stehend, liegend, spielend, tragend, schreiend, wartend, suchend, arbeitend, Handkarren schiebend,







Menschen
auf Mopeds, immer wieder Mopeds, ein paar mit Fahrrädern, in
Autos, und alles fließt, ist in Bewegung.
Das Fahrradfahren in dieser Stadt ist fast ein Vergnügen, der Lärm ist erträglicher als auf den Landstraßen, man kann mitschwimmen: warten, um eine Straße zu überqueren ist sinnlos, immer rein ins Vergnügen, wo eben noch Lücke war, ist jetzt ein Roller, wo eben der Gegenverkehr rollte, ist auf einmal Platz für 100 Mopeds in der anderen Richtung. Man braucht keine Angst zu haben, wenn ein Motorrad von der Seite direkt auf einen zu fährt, bis das da ist, ist man ja einen Meter weiter, dass weiß der Fahrer; wenn man selber so losfährt, rein in den Querverkehr so kommt man über die vollsten Kreuzungen, weil alle ausweichen, geschmeidig sind, auch schon mal bremsen, dabei ihr Ziel nicht aus den Augen verlieren und sich stetig vorwärts bewegen.
Das dritte angesteuerte Hotel gefällt, ich werde freudig begrüßt, hereingewunken, ich bin der erste Gast nach der Renovierung, bekomme einen Sonderpreis, habe freie Zimmerauswahl, finde das Zimmer ok, es riecht nach frischer Farbe. Es stellt sich raus, dass Kleinigkeiten noch nachgebessert werden müssen, das Klo ist verstopft, am 2. Tag habe ich die „Arschdusche“ ohne Schlauch in der Hand und das Wasser sprudelt ohne Unterlass auf den Boden. Alles wird relativ bald gerichtet. Nur das angesagte Internet funktioniert nicht, morgen soll aber der Monteur kommen ... .
Das Hotel liegt im Old Quarter, ich kann nach der obligatorischen Dusche erstmal einen kleinen Gang machen und stelle fest, dass in der Nähe alles zu finden ist, was ich so brauche.
Witzig: Ich entdecke einen „Berlin Döner Kebab“ - Stand. Ein Döner 60 Cent. Schmeckt!