Montag, 6.4.09, Hanoi,
Zum Frühstück gibts heute im Hotel Baguette, Omelette, Butter, Jam, Kaffee und Melone. Ok. Baguette finde ich sogar gut.
Weil hier auf so engem Raum so viel passiert, lasse ich das Fahrrad stehn und gehe zu Fuß aus dem Haus. Wie schon auf dem Rad, kann man auch zu Fuß ruhig die befahrensten Straßen im dichtesten Verkehr überqueren, auf eine Lücke im Verkehr zu warten ist sinnlos, aber alle weichen aus und lassen dich passieren.
Es gibt in der Altstadt einen berühmten See, den Ho Hoan Kiem,
da bin ich erstmal hin. Beim Näherkommen merke ich, dass hier das touristische Herz der Stadt schlägt, teure Souvenirboutiquen, Touristen und Zigarettenverkäufer werden zahlreicher. Der See ist nicht so spektakulär, dass man extra hin müsste, ist aber immerhin als Orientierung hilfreich.
Dahinter liegt das French Quarter mit alten Villen, teuren Hotel und großen Firmen.
Ich suche Buchläden, neue Sandalen, T-Shirt (rot mit gelbem Stern), Orientierung, Eindrücke, Kuchen, ein Mikrophon.
In allen Vierteln findet das Leben auf der Straße statt.
Dienstag, 7.4.09, Hanoi,
Eigentlich ist heute ein Scheiß-Tag. Ich versuche so allerlei, aber nix klappt. Ich suche seit gestern ein Buch, eine Karte, beides für den weiteren Reiseverlauf, nix zu machen.

Am
Ho-Chi-Minh- Mausoleum pfeift man mich weg, ist auch eh nicht
geöffnet, Internet-Recherchen klappen nicht, meine neuen
Sandalen haben einen Defekt, mein Hotel kommt nicht in die Gänge.
In den Außenbezirken sieht man, wodurch viele alte Gebäude erhalten blieben: Geldmangel.
Heute versuche ich meine Kreise zu erweitern und nehme das Fahrrad. Komme weit rum, finde auch zurück.
Sehe, was man so mit dem Moped transportieren kann.
Treffe zwei deutsche Gepäckradler. Schon der 2. Tag ohne Benutzung der Luftpumpe. Aber die gesuchten Bücher/ Karten finde ich in dieser Stadt nicht.
Um 5 Uhr bin ich mit Edwin am Sheraton verabredet, wir gehen in eine nette Wirtschaft, Bier trinken und Essen. Edwin bringt mich auf Ideen mit internationalen Schulen, und nennt mir Kontaktbörsenadressen. Er war auch mit dem Rad unterwegs und unterrichtet jetzt an der hiesigen internationalenSchule. Gutes Gehalt, gute Arbeitsbedingungen, hmmm,nicht schlecht! Über das Radeln in China weiß er wenig zu sagen, weitere Tipps über Hanoi gibts auch nicht. Trotzdem ein netter Abend. Es gibt wie immer, wenn man mit Ortskundigen unterwegs ist, noch nette Orte, auf die man alleine nie kommen würde.
Inzwischen sind meine Sandalen auch gegen ein heiles Paar ausgetauscht.
Mittwoch. 8.4.09
Zur Frühstückszeit turnen Monteure imHotel herum, seitdem ist das Internet hier funktionsfähig. Nach dem ich 2 Tage in Hanoi gesucht und nicht gefunden habe, bestelle ich nun bei Amazon zu horrenden Portokosten, was ich brauche.
Den Tag über fahre ich durch die Stadt und sitze schreibend. Am Nachmittag suche ich noch mal im Internet. Finde die Karte als Datei zum Kaufen und runterladen. Dazu braucht man dann noch eine spezielle Software – „Moving Map-Software“, die gibts leider nur für Windows, ich fummele 2 Stunden rum, bis ich eine Emulation und das Programm OziExplorer installiert habe. Weitere 2 Stunden später habe ich eine China-Karte auf meinem Rechner.
Erste Versuche damit umzugehen. Es wird 10 Uhr. Ich gehe noch mal auf die Straße, was essen, probiere in einem Stand“Nam Bo“. Lecker. Langsam macht fast alles bis auf die Gaststätten zu.
Donnerstag, 9.4.09, Hanoi
Nach dem Frühstück gleich zum Ho-Chi-Minh Mausoleum. Macht um halb elf wieder zu.
Beim Näherkommen sehe ich große
Reisebusse. Werde von einem Eingang zum nächsten
weitergeschickt. Dann darf ich auf den langen Zugangsweg. Vor mir ein
Schulklasse und ein Kindergarten. Ich ahne schon, dass das hier genau
das richtige für den alten Sponti ist. Nach 100 m erhalte ich
eine Tasche für meine Kamera. Hmm? Nach weiteren 100 m soll ich
beides dann abgeben. Aha. Dann eine Sicherheitsschleuse wie im
Airport. Noch mal 200, 300 m weiter über gesperrte Straßen
und einen großen Platz. Alle 20 m steht ein Soldat in weißer
Uniform. Vor dem Mausoleum extra viele. Es ist Wachwechsel, im
Stechschritt kommt Nachschub. Langsam werden wir zur Zweier-Reihe
formiert, dann in das Gebäude geschleust. Der erste Soldat
drinnen fordert mich auf, die Hand aus der Tasche zunehmen. HoHo. Und
das für Ho-Ho-Ho-Chi-Minh. :) Im eigenlichen Heiligtum geht es
mit kleinen Schritten einmal um den gläsernen Sarg herum –
bitte nicht stehenbleiben – und das war's dann auch schon.
Sehr
ernst das ganze, sehr wichtig, wenig würdevoll. Spannend ist
weniger das Mausoleum an sich als das ganze Brimborium, das die
Vietnamesen drumherum veranstalten.
Zur Abrundung besuche ich noch das Wohnhaus von Ho-Chi-Minh (Naja, nicht schlecht, klein, luftig, 2 Zimmer, aus Holz, auf Stelzen, unten der Tisch um Besucher zu empfangen) in einem netten Park und das Ho-Chi-Minh Museum (Texte, „modernes“, sozialistisches Design). Immer noch Massen von Touristen. so. Das reicht mit Onkel Ho.

Zur
Abrundung noch ein alter vietnamesischer, konfuzianischer Tempel, der
„Literaqturtempel“. Seit ca 1000 Jahren lernen hier Studenten,
die Liste der Absolventen ist in Steine geritzt, die auf
Schilddkröten ruhen.
Freitag, 9.4.09, Hanoi
Noch 'n Museumstag.
Doch zunächst mal wieder auf Kartesuche, hatte gestern nach Ladenschluss einen Buchladen entdeckt,den erst mal wiederfinden, enttäuschend.
Dann 'ne neue Tasche für das zerlegte Rad, wollte eine schneidern lassen, hab aber eine passende fertige gefunden. Schweißtreibend.
Ethnologie Museum, kleiner Überblick über die verschiedenen Völker & Ethnien des Landes.
Man kriegt vieleGebrauchsgegenstände, rituelle Objekte und Bilder zu sehen. Im Freibereich wie ein Freilichtmuseum bei uns. Ganze Häuser, mit Einrichtung und Beschreibung. Erstaunlich fand ich, hier die Häuser wiederzufinden, aus denen die Dörfer bestanden, durch die ich gefahren bin, und die Gegenstände, die die Bewohner benutzt hatten. Zwar würde man auch bei uns Fachwerkhäuser in der Freiheit wie im Freilichtmuseum Detmold finden, aber nicht die ausgestellten Innereien.
Fand ich spannend, dass Museum und Wirklichkeit zeitlich so eng beieinander liegen.
Im zugehörigen Shop hab ich dann Hunderttausende Dong ausgegeben, so schöne Sachen gab's bisher nirgendwo.
Raus aus dem Museum, auf die Straße. Der Bürgersteig ist zum Sportplatz gemacht worden.
Zurück durch den Berufsverkehr, hinein in die Dämmerung. Essenszeit.
Gleich um die Ecke vom Hotel sind mehrere Bierstuben, da wird das Bier nicht aus Flaschen getrunken. In so einer war ich, schmierige gekachelte Wände, aber die brauch man ja nicht anzufassen, kleine Plastkstühle und -Tische. Nur wenige Leute sitzen in dem Raum mit den offenen Wänden, die meisten sitzen auf dem Bürgersteig, der ist damit voll. Eine Speisekarte teilweise uch auf Englisch, das Essen ganz ok, das Bier lecker.
Samstag, 11.4.09, Hanoi
Auf dem Postamt ein Paket verschickt. Auf dem Seeweg sollte das 3 Monate dauern, auf dem Luftweg einen Monat. Also Luft. Das Paket kostet genauso viel wie der Inhalt, ca 50 Euro.
Danach kommt ein dicker Regen runter, hab ich schon vermisst. Finde Unterschlupf in einem Eiscafe. Sehr angenehm. Nette Konversation mit der jungen Bedienung in Englisch(Learning english, lesson three).
Hier könnte man sich nun die Haare schneiden lassen.
Kulinarisch hab ich jetzt öfter mal daneben gegriffen. So wie heute abend in einem teuren Restaurant, mal schauen, wie das hier so schmeckt. Und es war nichts besonderes. Das Ambiente war schön, es gab 2 Musikanten, weiße Tischdecken etc., aber das Essen war nicht besser als in den kleinen, billigen Wirtshäusern. Dabei war das Restaurant in mehreren Führern empfohlen worden. Irgendwie komme ich auch nicht an Gemüse. Scheint hier nicht so verbreitet zu sein, hmmm. Naja, wie heißt es: „Wurst ist mein Gemüse“.
Sonntag, 12.04.09, Hanoi
So, jetzt bin ich kreuz und quer durch Hanoi gefahren und gelaufen, habe viele schöne Orte entdeckt, meistens laute, unruhige, quirlige, habe viel Kaffee getrunken, einiges besichtigt, dies und das eingekauft und auch manche kleinere Reinfälle erlebt. Hab Sachen nicht gefunden, die ich mir erhofft habe, oder schlechte Qualitäten erhalten
Manchmal hab ich zu viel bezahlt, manche Orte sind halt teuer, machmal habe ich das Gefühl, gut gehandelt oder gute Preise erzielt zu haben.
Überall sind die Leute nett und freundlich, viele lachende Gesichter.
Aber es reicht jetzt mit dieser Stadt. Ich sollte weiterfahren.
Meine bei Amazon bestellte Karte kommt nicht über. Noch 'n Tag warten? Amazon ermöglicht es, den Versand zu verfolgen. So weiss ich, dass meine Karte heute morgen in den vietnamesischen Zoll in Saigon gekommen ist. Hmm.
Die Sonne scheint, sofort sind Sonnenschirme zu sehen ( die Staubmasken scheinen hier zur Grundausstattung zu gehören),

ich
sitze an einem zentralen Platz im Schatten, will nichts kaufen,

will
nicht Rikscha fahren,

und
schaue und schreibe und fühle mich eigentlich ganz entspannt,
gelassen und wohl. Es ist Ostersonntag, höre ich. Davon merkt
man hier (natürlich) gar nichts. Man merkt ja meistens kaum,
dass Sonntag ist.
Ich schlendere zu einer Insel des Ho Hoan Kiem Sees.

Unter
der weiblichen Bevölkerung dieser Stadt ist das Tragen von
Stilettos weitverbreitet, von etwas-hoch bis turm-hoch, oft
bleistiftdünne Absätze. So häufig hab ich das noch nie
beobachtet. Manchmal gut anzuschauen.
Eine Erklärung dafür
wäre, dass die hiesigen Frauen so klein sind, dass sie im Sitzen
von ihren Rollern nicht den Erdboden berühren können.

Zum
Sonnenuntergang genehmige ich mir einen Caipirinha im 20. Stock des
Sofitel Hotels mit Blick über die Stadt. Sehr schön.

AmAbend
finde ich endlich ein Restaurant,in dem ich Gemüse kriege.
Endlich. Ein Buffett, für 6€ mit allem, was das Herz begehrt,
das grenzt an Völlerei.